Zweimal im Jahr stehen in der Schweiz vier Räder herum, die gerade nicht gebraucht werden. Oft landen sie in einer Ecke der Garage, im Keller oder auf dem Balkon – und werden dort bis zum nächsten Wec...
Warum die Lagerung der Reifen über die Zwischensaison wichtig ist
Zweimal im Jahr stehen in der Schweiz vier Räder herum, die gerade nicht gebraucht werden. Oft landen sie in einer Ecke der Garage, im Keller oder auf dem Balkon – und werden dort bis zum nächsten Wechsel vergessen. Das ist verständlich, hat aber Folgen: Reifen sind ein Gummiprodukt, das auf Licht, Wärme, Feuchtigkeit und Belastung reagiert. Wer seine Reifen unsachgemäss lagert, verliert im schlechtesten Fall eine ganze Nutzungssaison, obwohl das Profil noch gut wäre.
Ein Satz Reifen kostet je nach Fahrzeug mehrere hundert bis über tausend Franken. Entsprechend lohnt es sich, ein paar einfache Grundregeln einzuhalten. Der Aufwand ist gering – es geht vor allem um den richtigen Ort und die richtige Position.
Was Reifen bei der Lagerung brauchen
Kühl, dunkel, trocken
Gummi altert, und dieser Prozess beschleunigt sich durch UV-Strahlung, Ozon und Hitze. Ideal ist ein Raum mit einer möglichst konstanten Temperatur zwischen etwa 5 und 20 Grad, ohne direkte Sonneneinstrahlung und ohne starke Feuchtigkeit. Ein trockener Kellerraum oder eine geschlossene Garage erfüllen das in der Regel gut.
Weniger geeignet sind ungedämmte Dachböden, in denen es im Sommer sehr heiss wird, Aussenbereiche unter einer Plane oder feuchte Räume, in denen sich Kondenswasser bildet. Auch die Nähe zu Ölen, Lösungsmitteln, Treibstoffen oder zu Geräten, die Ozon erzeugen (zum Beispiel ältere Elektromotoren oder Heizungsbrenner), sollte man vermeiden. Diese Stoffe greifen die Gummimischung an.
Die richtige Lagerposition
Hier wird häufig gleich gelagert, obwohl es zwei unterschiedliche Fälle gibt:
- Kompletträder (Reifen auf Felge montiert): liegend stapeln, maximal vier Räder übereinander, oder hängend an einer Felgenhalterung. Beim Stapeln ist es sinnvoll, die Räder nach einigen Wochen einmal umzuschichten.
- Reifen ohne Felge: stehend lagern, aufrecht auf der Lauffläche, und etwa einmal monatlich ein Stück weiterdrehen. So entstehen keine dauerhaften Standplatten.
Reifen ohne Felge sollten nicht gestapelt oder aufgehängt werden, da sie sich in der Seitenwand verformen können.
Vor dem Einlagern: Kontrolle und Reinigung
Bevor die Räder weggestellt werden, lohnt sich ein kurzer Blick. Sinnvoll ist:
- Reifen mit Wasser reinigen, Steine und Splitt aus den Profilrillen entfernen; Salzreste im Winter besonders gründlich abspülen
- Profiltiefe messen – gesetzlich sind 1,6 mm Minimum, praktisch empfehlen sich bei Sommerreifen mindestens 3 mm, bei Winterreifen mindestens 4 mm
- Seitenwände auf Risse, Beulen oder Beschädigungen prüfen
- DOT-Nummer beachten: Sie zeigt Woche und Jahr der Produktion. Ab etwa acht bis zehn Jahren sollte ein Reifen unabhängig vom Profil ersetzt werden
- Laufrichtung und Position markieren (zum Beispiel VL für vorne links), damit beim nächsten Wechsel korrekt getauscht werden kann
- Luftdruck um rund 0,5 bar über dem Sollwert einstellen, damit der Druckverlust über die Monate kompensiert wird
Typische Fehler und Missverständnisse
In der Praxis sehen wir immer wieder die gleichen Punkte:
- Lagerung im Freien unter einer Plane: Darunter sammelt sich Feuchtigkeit, es entsteht ein feuchtwarmes Klima. Das ist schlechter als eine offene, aber schattige Lagerung.
- Reifenpflegemittel vor dem Einlagern: Glanzmittel bringen bei der Lagerung keinen Nutzen und können die Gummioberfläche belasten. Reinigen genügt.
- Luftablassen: Es hält sich die Annahme, Reifen sollten drucklos gelagert werden. Das Gegenteil ist richtig – Druck stabilisiert die Struktur.
- Dicht in Plastikfolie einpacken: Luftdicht verschweisste Beutel sind in Ordnung, halbgeschlossene Säcke sammeln hingegen Kondenswasser.
- Nur auf das Profil schauen: Ein fünf Jahre alter Reifen mit 6 mm Profil kann durch harte Lagerung deutlich gelitten haben. Hart gewordenes Gummi verliert besonders bei Kälte an Haftung.
- Aufbewahrung neben dem Heizöltank oder der Heizung: ungünstig wegen Temperatur und Ausgasungen.
Situation in Root und der Region Luzern
In unserer Region sind die Bedingungen durchaus fordernd. Die Winter bringen Streusalz und Feuchtigkeit, im Sommer werden Garagen und Dachräume warm. Wer in einer Wohnung mit Tiefgaragenplatz lebt, hat häufig gar keinen geeigneten Raum – ein Einstellhallenplatz ist zwar temperaturstabil, aber Platz für vier Räder ist selten vorhanden, und in manchen Liegenschaften ist die Lagerung brennbarer Materialien untersagt.
Wer Reifen selbst lagert, sollte zudem die Fahrten in die Berge mitdenken: Wechsel von Nässe, Salz und Kälte auf den Zufahrten zu Alpenpässen und Skigebieten belasten Winterreifen stärker als reiner Flachlandbetrieb. Eine sorgfältige Reinigung vor dem Einlagern ist darum nicht nur Kosmetik.
Häufige Fragen
Wie lange kann man Reifen lagern?
Fachgerecht gelagert bleiben Reifen mehrere Jahre brauchbar. Als Richtwert gilt ein Ersatz nach etwa acht bis zehn Jahren ab Produktionsdatum, auch wenn Profil vorhanden ist.
Müssen Reifen im Winter frostfrei gelagert werden?
Kurzfristiger Frost schadet einem Reifen nicht. Problematisch sind starke Temperaturschwankungen, Nässe und direkte Sonne. Ein unbeheizter, trockener Raum ist unproblematisch.
Stapeln oder hängen – was ist besser?
Bei Kompletträdern sind beide Varianten in Ordnung. Wichtig ist, dass beim Hängen die Felge und nicht der Reifen belastet wird.
Wie erkenne ich, ob ein Reifen zu alt ist?
Die vierstellige DOT-Nummer auf der Seitenwand nennt Woche und Jahr (Beispiel: 2219 = 22. Woche 2019). Zusätzlich auf feine Risse an Seitenwand und Profilgrund achten.
Muss man Reifen beim Wechsel tauschen?
Ein Wechsel von vorne nach hinten ist sinnvoll, um den Verschleiss anzugleichen – bei laufrichtungsgebundenen Reifen jedoch nur innerhalb derselben Fahrzeugseite.
Fazit
Reifenlagerung ist keine komplizierte Angelegenheit, aber sie entscheidet mit darüber, wie lange ein Satz Reifen zuverlässig funktioniert. Kühl, dunkel, trocken, richtig positioniert und mit etwas Luftdruck – damit ist das Wesentliche abgedeckt. Wer beim halbjährlichen Wechsel zusätzlich kurz Profil, Alter und Seitenwände prüft, weiss frühzeitig, wann ein Ersatz ansteht, und muss nicht kurz vor dem ersten Schnee entscheiden.
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